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Die Hilflosigkeit des Menschen Drucken E-Mail
Montag, 01 Mai 2006
KiD/Wien. In diesen Tagen jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag des Begründers der Psychoanalyse Sigmund Freud. Die Medien würdigen dieses Ereignis ausführlich und vielfältig.

Freud hat sich während seines gesamten Lebens auch mit Fragen der Religion beschäftigt. Dieses Interesse geht bis in seine Kinderzeit zurück. Er erklärt den Ursprung der Religion psychologisch aus der Hilflosigkeit des Menschen den Übermächten der Natur und des Schicksals gegenüber und der sozialen Notwendigkeit, das Zusammenleben der Menschen zu regeln. Der Welt und dem Leben sollen ihre Schrecken genommen werden.

Die Hilflosigkeit des Menschen Natur, Krankheit und Tod gegenüber sieht Freud als eine Wiederholung der Position des Kindes den Eltern gegenüber: Denn diese Situation ist nichts Neues, sie hat ein infantiles Vorbild, ist eigentlich nur die Fortsetzung des Früheren, denn in solcher Hilflosigkeit hatte man sich schon einmal befunden, als kleines Kind einem Elternpaar gegenüber, das man Grund hatte zu fürchten, zumal den Vater, dessen Schutzes man aber auch sicher war gegen die Gefahren, die man kannte. So lag es nahe, die beiden Situationen einander anzugleichen. Der Mensch überwindet seine Hilflosigkeit und Schutzlosigkeit den Mächten der Natur gegenüber, indem er sich hinter diesen Mächten und Kräften einen allmächtigen Vater denkt, das Kind-Vater-Verhältnis also in Natur und Welt projiziert. Damit wird Religion zur infantilen Wunscherfüllung, zur Illusion.

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Das berühmte Sofa in Freuds Arbeitszimmer, auf dem seine Patienten lagen. Er selbst saß immer auf dem grünen Sessel dahinter, für seine Patienten nicht sichtbar.

Völkerkundler und Religionswissenschaftler haben auf die Freudsche Erklärung des Anfangs von Religion immer mit Skepsis und Befremden reagiert, und heute wird der von Freud angenommene streng phasenhafte Ablauf der Religionsgeschichte praktisch überhaupt nicht mehr vertreten. Auch sagt die Erklärung des Wesens der Religion als infantile Wunscherfüllung nichts über die Wahrheit der religiösen Sätze aus. Das Faktum der Projektion sagt nichts über die Existenz oder Nichtexistenz Gottes.

Das Thema Religion, das für den Materialisten und Atheisten Freud eigentlich kein Thema sein müsste, hat ihn zeitlebens nicht losgelassen, und noch den über Achtzigjährigen beschäftigen in seiner Schrift »Der Mann Moses und die monotheistische Religion« die historischen Ursprünge der christlich-jüdischen Religion.

Schon C. G. Jung, von dem sich Freud unter anderem wegen ihrer verschiedenen Wertung der Religion kurz vor dem Ersten Weltkrieg getrennt hatte, hat Psychoanalyse und Religion versöhnt. Heute wird Freud mit Recht auch von der Theologie gewürdigt. Der katholische Theologe Hans Küng schreibt in seinem Werk »Existiert Gott?«: „Freud hat das epochale Verdienst, herausgearbeitet zu haben, wie sehr das Unbewusste Mensch und Menschheitsgeschichte bestimmt, wie sehr schon früheste Kindheit, erste Eltern-Kind-Beziehungen, das Verhältnis zur Sexualität auch für die religiösen Einstellungen und Vorstellungen eines Menschen grundlegend sind.“

(Unser Artikel basiert in Teilen auf Artikel im Rheinischen Merkur)


Weiterführender Links:
Gute, umfassende Darstellung im GEO Magazin Nr. 05/06
Auch sehr interessant: »Der große Zuhörer« in der Zeit.


Siehe auch:

  1. 50 Jahre Telefonseelsorge
  2. Kurseelsorge auch im aktiven Ruhestand
  3. Der IQ ist Spitze
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