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Gott sucht das Verlorene Drucken E-Mail
Dienstag, 04 September 2007
EKvW/Schwerte. Religion und Kirche haben heute ganz neue Möglichkeiten, Menschen zu erreichen und in Politik und Gesellschaft hineinzuwirken.

Davon ist Monika Piel, die Intendantin des Westdeutschen Rundfunks, überzeugt.

Bei der Neueröffnung des evangelischen Bildungs- und Begegnungszentrums Haus Villigst in Schwerte am 31. August beschrieb sie diese Chancen – etwa „die heitere Bereitschaft, Widersprüche des Lebens gelten zu lassen und statt kirchlicher Prinzipienmoral die Verantwortungsethik Jesu zuzulassen.”

Haus Villigst in Schwerte
Vom neuen Interesse an Religion zeichnete die WDR-Intendantin ein differenziertes Bild. Außer der hoffnungsvollen, unbefangenen Suche nach Orientierung gebe es auch ein „nebulöses Bedürfnis” nach Werten, das aber ohne Folgen für das eigene Leben bleibe, und eine wachsende Sehnsucht nach einfachen Lösungen. Dagegen bekannte sich Piel zu Gott, „der sich radikal jedem Versuch entzieht, bürgerliche Moral, Machtinteressen oder zukunftsscheue Denkfaulheit zu legitimieren. Er ist der Begleiter-Gott, der das Verlorene sucht, das Zerfallene zusammenfügt, das Niedergedrückte aufrichtet und befreit.” Zu den gewaltigen Herausforderungen der heutigen Zeit müssten Religionen etwas sagen, „wenn sie noch in Zukunft etwas zu sagen haben wollen.” Und das werde auch in den Medien gehört.

Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) habe mit dem ausgebauten Haus Villigst ein „zugleich zurückhaltendes und ermutigendes Haus mit noch mehr Raum für Austausch, Kreativität und konzentriertes Arbeiten.”
Buß: Christus ist kein belangloses Gespenst

Auch Präses Alfred Buß erinnerte in seiner Predigt an den öffentlichen Auftrag der Kirche und die damit verbundene Wechselwirkung zwischen Kirche und Gesellschaft: „Kirche für die Welt, aber auch Welt nicht ohne Kirche”, zitierte er Hans Thimme, einen seiner Vorgänger. Die Kirche sei das Zeichen dafür, dass Gott die Welt vollenden werde. Wäre Kirche nur auf sich selbst beschränkt, könnte sie Christus nur als „belangloses Gespenst” bezeugen. Doch in einer Welt ohne leibhaftigen Christus bleibe letztlich alles beim Alten. Dagegen setzte der leitende Theologe der westfälischen Landeskirche die christliche Überzeugung, dass Gott den Tod überwunden habe: „Er hat Tod und Leben in ein neues Verhältnis gesetzt – zugunsten des Lebens. Gott lebt für uns.”
Laumann: Bildung hat hohen Stellenwert

Der nordrhein-westfälische Arbeits-, Gesundheits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann erinnerte an die langjährige gute Zusammenarbeit zwischen dem Land und der Evangelischen Kirche von Westfalen. Bei arbeitsmarkpolitischen Programmen und Projekten gab und gibt es diese Kooperation zwischen dem Arbeitsministerium und dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt. Die Bildung, so der Minister weiter, habe für die gesamte Landesregierung einen hohen Stellenwert. Angesichts der aktuellen Armutsdebatte betonte er: „Je höher der Bildungsabschluss, desto geringer die Armutsgefährdung. Eine gute schulische und eine abgeschlossene berufliche Ausbildung sind ganz klar die effektivste Form der Armutsbekämpfung.”
Geistlicher Mittelpunkt: Neue Kapelle

Haus Villigst in Schwerte ist als erweiterte Tagungs- und Bildungseinrichtung der Evangelischen Kirche von Westfalen nach gut einjähriger Bauzeit wiedereröffnet worden. Mit der Entscheidung, Haus Villigst zu einem exzellenten Begegnungszentrum zu machen, haben die Verantwortlichen den notwendigen Rückbau gestaltet und einen unübersehbaren Schwerpunkt gesetzt. Als Ort der Stille, des Gottesdienstes und des Gebets ist eine Kapelle als neues geistliches Zentrum von Haus Villigst entstanden.

Zeitlich und finanziell fast genau nach Plan verlaufen sind die Bauarbeiten: Die vorgesehenen sieben Millionen Euro Baukosten werden voraussichtlich um eine halbe Million Euro überschritten – inbegriffen ist darin der zunächst nicht vorgesehene Ausbau des Dachgeschosses über dem neuen Haupteingang. Der Dachstuhl erwies sich als völlig marode und musste grundlegend saniert werden. Die Planer vom landeskirchlichen Baureferat in Bielefeld nutzten dies, um hier neue Räume für das Institut für Kirche und Gesellschaft zu schaffen. Die Kapelle kostete knapp 500.000 Euro. Ihre Ausstattung konnte größtenteils aus Spenden, 30.000 Euro, bezahlt werden. Finanziert wird das gesamte Projekt voraussichtlich aus Verkaufserlösen: 3,8 Millionen kommen durch die Veräußerung eines Studentenwohnheims in Münster und eines Hauses in Berlin zusammen. Der Rest soll durch den Verkauf von Haus Ortlohn abgedeckt werden.

Homepage von Haus Villigst hier


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